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(Prof. Dr. Hans-R. Wegener)
Die jahrhundertelange land- und forstwirtschaftliche Nutzung hat das Erscheinungsbild der heutigen Landschaft geprägt. Doch die Nutzungsbedingungen haben sich -besonders nach dem Zweiten Weltkrieg- gravierend geändert. 1949 arbeiteten noch 4 Millionen Menschen in der Landwirtschaft, 1999 waren es nur noch etwa 680.000! Seit 1980 hat sich die Zahl der Betriebe um etwa die Hälfte verringert. Auch in Krofdorf-Gleiberg hat das "Bauernsterben" bedenkliche Ausmaße angenommen: 1950 gab es 269 Betriebe, 1960 waren es insgesamt 187, heute gibt es noch 8 Nebenerwerbsbetriebe. Im Ortsteil Wißmar gibt es den einzigen Vollerwerbsbetrieb in Wettenberg. Nach einer Schätzung im Rahmen des Agenda-Prozesses sinkt die Zahl der Nebenerwerbshöfe in den kommenden Jahren auf drei. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage:
Was wird aus unserer Landschaft?
Eine Form der Landschaftsnutzung stellen Maßnahmen der Landschaftspflege zur "Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der Landschaft durch Vielfalt" dar: Viele Flächen, die nicht mehr genutzt werden, sind zunächst von der Verbuschung bedroht, dies ist der erste Schritt zurück zur Naturlandschaft. Bis zur Enstehung von geschlossenen Waldbeständen vergehen jedoch Jahrhunderte bis Jahrtausende. In der Zwischenzeit rückt der Schwarzdorn mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1 Meter pro Jahr in freie Flächen vor. Das mechanische Offenhalten ist keine langfristige Möglichkeit, das vertraute Landschaftsbild zu erhalten. Pflege muß durch Nutzung erfolgen - beispielsweise durch eine Schafherde, die bereits von Egon Pfaff Anfang der achtziger Jahre vorgeschlagen wurde. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit stellt der (sanfte) Tourismus im "Gleiberger Land" dar. Um mögliche Nutzungskonflikte auszuschließen, müssen alle potentiellen Landschaftsnutzer -Landwirte, Naturschützer, Handwerker, Gastronomie und Kommune in überörtlicher und regionaler "konzertierter Öffentlichkeitsarbeit für die Region" miteinander reden, planen und handeln. So entsteht wieder eine regionale Produktpalette, die auch in der Region angeboten und verwertet wird. Mit diesen gemeinsamen Bemühungen kann der Verdrängung dezentraler Versorgungseinrichtungen wie Mühlen, Molkereien, Schlachthöfen und Zuckerfabriken entgegen gewirkt werden, übermäßig weite, energieverschwendende und umweltbelastende Transportwege werden vermieden: Die Schadstoffemmissionen für den Transport weitgereister Produkte sind um ein fünffaches höher als für regional erzeugte und verwertete. Der wirtschaftliche Zwang zu Höchsterträgen führt zum Einsatz von umweltbelastenden Bewirtschaftungsmaßnahmen. Mit Höchsterträgen produzierte Überschüsse verlangen "Verwaltungsstrategien" - bis hin zur aufwendigen Lagerhaltung und zur unverantwortlichen Entsorgung. Für die "Agrar-Marktordnung" werden vom Gesamtetat der EU in Höhe von 170 Milliarden DM im Jahr 1999 für den Agrarbereich rund 87,5 Milliarden DM bereitgestellt.
Der Gedankenaustausch über Produkte und deren Qualität, beispielweise auf dem Wochenmarkt, sei ein Grundstein der Regionalisierung. Weitere Schritte in diese Richtung sei die Entwicklung fairer Erzeugerpreise: "Es kann nicht angehen, dass ein in Chile gepflückter Apfel, der 800 km durch Chile, dann mit dem Flugzeug über den Atlantik und nochmal 300 km mit dem Lastwagen durch Deutschland gefahren wird, für 1,60 pro Kilogramm im Supermarkt-Regal steht."
Regionales Bewusstsein muß zu der Erkenntnis führen:
"Nutzung ist besser als Pflege!"
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